Dosenfleisch

Von Ferdinand Schmalz

Ferdinand Schmalz hat einen bluttriefenden Thriller über die Autobahn geschrieben. Für den Autor steht die Autobahn hier nur als Platzhalter für Größeres, ebenso wie die Molkerei-produkte in seinem Erstling »Am Beispiel der Butter« für den Turbo-Kapitalismus. Es geht um Wunden, um Unfälle, ob zufällig passiert oder willentlich herbeigeführt tut hier nichts zur Sache. Es geht um den Augenblick, in dem der Mensch erkennt, dass er nichts weiter ist als eine Ansammlung von Fleisch in einer Blechbüchse, wenn er mit zweihundert Sachen auf einen Zementpfeiler trifft. Es geht um die Physik von Dosenfleisch, um Fleischsalat, um uns – die Insassen. Und es geht um die Sekunde des Aufpralls, in der wir uns das erste Mal´unseres Lebens mit all seinen Versäumnissen bewusst werden. Vermutlich – weil es gerade endet. Vier Menschen treffen nachts in einem Autobahnrestaurant aufeinander: Beate, die Besitzerin, deren Geburtshaus der Autobahn weichen musste, Jayne, die ehemalige Schauspielerin, deren Gesicht nach einem Verkehrsunfall entstellt ist, Rolf, der Mann von der Versicherung und ein Fernfahrer. Sie alle eint jene seltsame Häufung von Unfällen, die seit geraumer Zeit an einem bestimmten Straßenabschnitt vermehrt auftritt … Rolf untersucht als Gutachter die Lage vor Ort, und muss alsbald erkennen, dass die beiden Frauen nicht diejenigen sind, die sie vorgeben zu sein. Aus (Unfall-)Opfern werden Täter – eine Terror-zelle. Und als Jayne zu Rolf sagt: »Wir müssen aus den eingefahrenen Lebensläufen brechen. Die Leitschienen durchbrechen, die man zur Seite uns gestellt.« Da ist es für Rolf auch schon zu spät …