Die tote Stadt

Oper von Erich Wolfgang Korngold mit Texten von Paul Schott

FLOTTE RETTUNG?
Opfer haben keine Lobby

Muss der Einzelne sich für die Gesellschaft opfern? Töchter werden gegen ihren Willen verheiratet, bringen sich anstelle von Wildenten selbst um oder sollen gar geopfert werden – meistens wegen väterlicher Verstöße oder Versäumnisse. Viele Textseiten müssen sie auf ihren Rücken ertragen – selten geht es dabei wirklich um das oft beschworene Wohl. Ähnlich ergeht es auch Iphigenie, die sterben soll, damit die Götter günstige Winde schicken. Nur so kann die griechische Flotte Aulis verlassen und Helena aus der trojanischen Gefangenschaft befreien. Das griechische Volk wäre gerettet. Ausgedacht hat sich diese Geschichte der meistgespielte antike Dichter Euripides. Seine Stücke haben bis heute Gültigkeit und dienten Generationen von Dramatikern als Vorlage. Die Konflikte der Euripides-Stücke sind so zeitlos, dass man auch durchaus fragen kann, wie eine junge Frau unserer Tage in einer vergleichbaren Situation reagieren würde. Götteropfer und Seher gibt es nicht mehr? Das mag stimmen, wenngleich heute aus anderen Gründen geopfert wird und so manche Biografie alles andere als selbstbestimmt verläuft. Das Drama nimmt seinen Lauf.