DON CARLOS

Oper von Giuseppe Verdi; Libretto von Joseph Méry und Camille Du Locle; nach einem Drama von Friedrich Schiller.

„KINO FÜR DIE OHREN - Verdis »Don Carlos« – ein Politthriller für das Heute“
Verdis meistgespielte Oper in Deutschland vor 1933: »Don Carlos«. Und danach: »Aida«. So einfach lässt sich manchmal ein Jahrhundert auf den Punkt bringen. »Don Carlos« passt nun wieder in die Zeit – und wie! Machtspiele des Establishments um König Philipp II., Reformstau und enttäuschte Gefühle vermengen sich zu einem tragischen Cocktail mit tödlicher Wirkung. Elisabeth, die Prinz Carlos liebt, heiratet aus Staatsräson dessen Vater. Reformwillige Adelige können sich nicht gegen den allmächtigen Großinquisitor durchsetzen. Komponist Verdi legte seine Oper nach Schillers Drama als großen Politthriller an, der in unseren Tagen als Internet-TV-Serie beste Einschaltquoten liefern würde. Doch das hier ist eben die Oper: Hier wird das Geschehen auf wenige Momente verdichtet und in der Musik – wie durch ein Brennglas – nochmals konzentriert. Dass Richard Wagner seine Schwierigkeiten mit Verdi hatte, lag auch daran, dass die italienischen Orchester, für die der italienische Kollege komponierte, kleiner waren als die Luxus-Ensembles in Dresden oder München. Gerade deshalb aber wirkt »Don Carlos« so authentisch: Die regierende Kaste wird mit archaischen Bläsercollagen und ohne die samtene Streicher-Seligkeit karg und schroff gezeichnet. Dagegen reicht eine Sologeige aus, um das Sehnen junger Liebender zu seufzen. Gänsehaut kommt eben nicht nur von Pathos, sondern vor allem von Kopfkino. Und hier »sehen selbst die Ohren« mit!


Roland Schwab eröffnete mit seiner Regie von Rossinis »Guillaume Tell« die erste Spielzeit unter der neuen Leitung von Generalintendant Bodo Busse. Als bildgewaltig und hochemotional gelten die Inszenierungen des in München aufgewachsenen Regisseurs, der seine Ausbildung unter der Leitung von Götz Friedrich an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg erhielt.