Die Csárdásfürstin

Operette von Emmerich Kálmán und Leo Stein und Bela Jenbach

Gibt es einen schöneren Moment, als den, wenn im Musiktheater das Licht erlischt und das Orchester mit der Ouvertüre beginnt? In Emmerich Kálmáns »Csárdásfürstin « werden wir durch die Musik in Sekundenschnelle nach Ungarn versetzt, in ein Ungarn der sehnsüchtigen Zigeunerweisen, in ein Ungarn einer Zeit, in der man noch Zigeunerweisen sagte. Und dann: Innerhalb eines raschen Viervierteltaktes sind wir im goldenen Westen, in Wien, nein, in Hollywood, wenn man genau ist – fanfarenumkränzt und monumental. Kálmán beherrschte die Meisterschaft der blitzschnellen musikalischen Verwandlung genau wie das Erfinden unsterblicher Melodien. Schwaden von Zigarrenrauch umgaben die Treffen, in denen er mit seinen Librettisten die eingängigen Texte und Melodien erfand, die zu Jahrhundert-Schlagern wurden: »Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht«, »Die dumme Liebe« oder »Machen wir’s den Schwalben nach« – jede Operette dieses Teams war dank solcher Hits ein Erfolg. Und mit der Handlung wurden jene Stücke zu bewegenden Märchen aus einer Zeit, die es eigentlich schon nicht mehr gab. Und Showstars wie Sylva Varescu alias die »Csárdásfürstin«? Sie lebten fort in den Musical-Stars des Broadways. Und nur eine Geigenmelodie in Moll konnte sie daran erinnern, was sie hinter sich lassen mussten. Licht aus und Vorhang auf für ein Märchen, dass uns träumen, lachen und weinen lässt.